Posts mit dem Label Gonzo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gonzo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 15. Februar 2012

Die Geschichte - Teil 55

Aus Stephan und Gonzo quollen die Lieder nur so hervor. Mitte 93 hatten sie so viele Ideen und Texte, dass sie genug Lieder für drei Alben gehabt hätten. Zusammen sperrten sie sich ein und brüteten über den Melodien der nächsten Veröffentlichung. Wenn es möglich sein sollte, dann würden sie sogar zwei Scheiben herausbringen. Diese Idee setzte sich bei Stephan fest. Anstatt nur einer Antwort auf den Pressezirkus und den Medienterror würden sie zu einem Doppelschlag ausholen. Alle in der Band fuhren mächtig auf die Vorstellung ab, wie dumm der Handel gucken würde, wenn er erkannte, dass die Onkelz damit durchkämen. Stephan war sich seiner Sache sicher. Er fühlte, dass diese doppelte Veröffentlichung für die Industrie wie ein erneuter Schlag ins Gesicht wirken würde.
"Schwarz/Weiß" war das Konzept. Weidners Dualität, der Zwilling, "Licht und Schatten steh´n gemeinsam vor der Tür . . ." , kam hier ein weiteres Mal zum Ausdruck. Sonne und Mond waren auf den Innenseiten zu sehen und in Blindenschrift und Zeichensprache, war der Name Böhse Onkelz zu fühlen bzw. zu lesen. ". . . für die blinden und die tauben noch ein allerletztes Mal . . ."



1993, noch lange vor der Veröffentlichung der beiden Alben, gab es zahlreiche Journalisten, die sich um eine objektiveAnnäherung bemühten. Gut 500 000 Einheiten waren von "W.h.n.l.n.g.", "Live in Vienna" und der "Heiligen Lieder" verkauft worden. Dass bei solchen Verkaufszahlen und bei Zuschauermengen, die pro Konzert mittlerweile die 4000er Grenze überschritten, nicht nur Rechtsradikale die Platte kauften oder die Konzerte besuchten, fiel jetzt auch der Presse auf. Bis zum Sommer 93 gab es viele Artikel, von Redaktionen, die sich aktiv mit der Wandlung der Böhsen Onkelz beschäftigt hatten.


Am 17. 10. gaben die Onkelz ein großes Konzert in der Bremer Stadthalle. Eine "gegen Rechts" - Veranstaltung, die den Titel "Mensch" trug. Neben einer Vielzahl von Acts gegen rechts, gab es eine Ausstellung junger internationaler Künstler, die von den Onkelz finanziell unterstützt wurde. Die Onkelz selbst waren als Headliner angekündigt, um möglichst viele Jugendliche aus allen Schichten anzusprechen. Es kam zu einem bemerkenswerten Zwischenfall : Als ein Skin vor der Bühne die Hand zum Hitlergruß hob, unterbrach Gonzo das Konzert. Das Hallenlicht wurde angeknipst, und auf der Bühne versammelte sich eine Traube von Security-Leuten, die konzentriert in die Richtung blickte, in die Gonzo zeigte. Während der Provokant kurz darauf rüde aus der Halle geworfen wurde, begleiteten ihn die Stimmen von 7000 Zuschauern, die alle "NAZIS-RAUS" riefen. Solche Lektionen waren weitaus hilfreicher, um fehlgeleiteten Fans die Richtung zu weisen, als verleumderische Hetze in der Tagespresse. Von 7000 Onkelzfans rausgeworfen zu werden, war mit Sicherheit ein einschneidendes Erlebnis für diesen Fan.
Die Stadt Bremen zeigte sich beeindruckt. Der Metal Hammer wählte das "schwarze Album" zur "Platte des Monats Dezember".

Montag, 14. November 2011

Die Geschichte Teil 48

Was niemand zu wissen schien . . . Anders als Kevin, war Gonzo zu keiner Zeit gefährdet gewesen, in die Sucht abzugleiten. Er wohnte seit Jahren mit seiner Freundin Verena zusammen und hatte jedwede Stilart des Exzesses und der Gewalt abgelegt. Aus Gonzos Verantwortungsgefühl gegenüber der Band, war im Laufe der Zeit ein altruistischer Drang geworden. Er schrieb mit Stephan die Musik nach dessen Rückkehr und gab den Böhsen Onkelz zu jeder Zeit professionelle Rückendeckung. Nie war Gonzo nervös und er kannte kein Lampenfieber. Er konzentrierte sich auf seine Gitarre und die anfallende Arbeit. Privat war er ein Naturmensch. Jede freie Minute verbrachte er im Wald oder er restaurierte alte Autos. Gonzo war ein Hot-Rod-Freak. Alte 50er Jahre Wagen zu frisieren und zu lackieren, war zu dieser Zeit seine Lieblingsbeschäftigung. Das glänzende Resultat seiner Arbeit war ein alter VW-Käfer, aufgemotzt bis ins letzte Detail.


Und was die wenigsten wussten . . . Pe war auf standby. Pe war immer bereit. Man musste ihn nur anrufen und ihm sagen, wann er wo zu sein hatte. Die große Konstante im Leben der Onkelz. 1992 gab es Tage, da wurde es auch ihm zu viel. Er verschwand oft am Wochenende mit dem Mountain-Bike und seinem Husky im Taunus. Er entwickelte sich mehr und mehr zu einem Trapper und Survivalspezialisten. Seit 92 war er Mitglied bei Greenpeace und überwies regelmäßig Geldbeträge, die den Kampf gegen Umweltzerstörung unterstützen helfen sollten. Außerdem besaß er mehrere Patenschaften für Kinder in der dritten Welt. Nicht, dass er es den Journalisten auf die Nase gebunden hätte, aber es hatte ihn auch nie jemand danach gefragt.


Eine Firma war gegründet worden. Ein eigenes Management sollte sich endlich um die Belange der Band kümmern. Mo Sudmann wechselte von Logic-Records zu den Onkelz und übernahm das Büro. Stefan Siebert, ehemaliger Konzertveranstalter der Frankfurter Music Hall, kam als Manager dazu und Thomas Hess, ultrakrasser Ex-Präsi des Bones-Frankfurt-Chapter, einem deutschen Rockerclub, war seit dem Sommer 92 für Tourbooking und Security zuständig.Fanpost und Merchandising wurde von Stefan Stichler, einem Jungen, der schon für Stephan in der Ranch gearbeitet hatte, gewissenhaft erledigt. Bellaphon kümmerte sich eben nicht um alles.


Natürlich wußten viele Kritiker die schwarz-rot-goldene Covergestaltung der "Heiligen Lieder" sowie auch die der "wir ham noch lange nicht genug" als eindeutigen Hinweis auf die versteckte rechte Gesinnung der Musiker zu deuten. Die Farben des letzten Albumcovers, die denen der Demokratie entsprachen und nicht denen des dritten Reiches, waren allerdings ganz allein die Idee der Bellaphon-Graphikabteilung gewesen und waren nicht, wie behauptet wurde, politisches Kalkül der Band. Das Bild der blutüberströmten Uhr auf der "W.h.n.l.n.g." entstammte einem Comic und die Idee zum Frontfoto der "Heiligen Lieder", auf dem die Band im schmuckvollen Priesterornat abgebildet war, stammte von Stephan. Es sollte eine Verarschung derer sein, die glaubten, sie besäßen als einzige das Recht darüber zu entscheiden, wer, wann, warum und auf welche Weise zu Gott sprach.

Freitag, 15. Juli 2011

Die Geschichte Teil 17

Der "Frankreich Überfall" im Juni 84 gestaltete sich anders, als geplant. In Straßburg schwappten Stephan, Pe und Kuchen zwischen einer gewaltigen Horde von Hooligans und Fußballasis hin und her, und als leicht zu erkennende Skins bekamen sie vor dem Mainaustadion von den Bullen noch ein paar Extrakopfnüsse. Die Eintrittskarten wurden ihnen abgenommen und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als an die Mittelmeerküste zu fahren. Dort am Strand sprachen Pe und Stephan zum ersten Mal über etwas, das sich erst seit den letzten Wochen bei ihnen bemerkbar gemacht hatte. Ein Gedanke, der langsam aber stetig in ihnen wuchs, bis er reif dafür war, ausgesprochen zu werden.
"Es fängt an zu nerven . . . alles fängt an zu nerven. Scheiß drauf.
Scheiß auf Fußballrandale und auf die Hooligans.
 Scheiß auf Hosenträger und Klamottenregeln.
Scheiß auf alles, nur nicht die Band."
Gonzo hatte seine Zeit bei der Marine mit 14tägigen Aufenthalt im Marinegefängnis abgeschlossen. Ein Disziplinarverfahren wegen Kameradenmißhandlung hatte ihn am Ende dorthin gebracht, weil er einem Frischling, der mit seiner Weigerung einen Gang zu kehren, dafür gesorgt hatte, dass die gesamte Mannschaft ihren Freitagabendzug nach Hause verpasste, eine Ohrfeige gegeben hatte. Es war eine weitere disziplinarische Maßnahme gegen ihn, eine von vielen, die ihm den Ausstieg aus dem Soldatenleben nur noch leichter machte.

Die Arbeit an Bord und an Land, hatte Kevin mächtig in die Breite gehen lassen. Er war zu einem großen, feisten Aggro Skin herangewachsen. Tätowiert und leicht reizbar, die Sorte, der man besser aus dem Weg ging. Kevin war Skinhead und wollte es auch bleiben. Er und Gonzo hatten sich neue Tattoos stechen lassen. Einen gesichtslosen, gekreuzigten Skinhead in Jeans mit Hosenträgern und aufgekrempelten Hemdsärmeln, trugen sie auf ihrer Brust.
Seit dem Spätsommer 84 war Kevin auf einem anderen Schiff unterwegs, wo er mit einem türkischen Arbeitskollegen in Streit geriet. Ein Wort gab das andere, bis Kevin ihm einen Arschtritt gab. Er war in den letzten Monaten wiederholt mit sämtlichen Mitgliedern der Schiffsbesatzung aneinander geraten und dieser Arschtritt war der letzte von vielen Zwischenfällen. Er musste noch am gleichen Tag seinen Seesack packen und verschwinden.
Kevin war am Ende. Wut und Hass gegen jeden, tödlicher Weltschmerz und bizarre Alpträume waren seine ständigen Begleiter. Die Vorstellung, zu seiner Mutter zurückkehren zu müssen, war wie ein Schlag ins Gesicht. Es war, als wenn er wieder ganz von vorne anfangen müsste. Von Antwerpen aus fuhr er nach Frankfurt und klingelte bei Moni. Stephans Schwester wohnte seit einiger Zeit mit ihrer Mutter zusammen. Sie hatte den Schulabschluss versäumt und kochte auf kleiner Flamme. Ihr Vater hatte sie bedroht, wenn sie zum Sozialamt ginge und die herausfänden, dass er für seine Familie keinen Pfennig Unterhalt zahlte, dann würde sie es bereuen. Also schlug sie sich mit Jobs durch, ging putzen und war ohne Freund. Moni war eine sensible junge Frau von 20 Jahren. Die Briefe, die Kevin ihr geschrieben hatte, und seine Zeichnungen hatten sie tief aufgewühlt. Sie hatte ihn während der letzten Jahre schmerzlich vermisst, hatte viel an ihn denken müssen und beständig darauf gehofft, dass sie noch einmal zusammen sein könnten.

Samstag, 9. Juli 2011

Die Geschichte Teil 13

Pe war eine höchst untypische Erscheinung in der deutschen Skinheadszene. Er war die gute Seele der Band. Sein Schlagzeugspiel hatte sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Gewalt und Fußball ließen ihn kalt. Während der ganzen Zeit, seit Gründung der Band, hatte er sich niemals an einer Schlägerei beteiligt. er war auch niemals weggelaufen. Pe stand einfach daneben und zog sich rein, was es zu sehen gab. Wenn es vorbei war, stand er immer noch da, ohne einen Kratzer im Gesicht und tat so, als ob nichts passiert wäre.
Pe war auf eine besondere Art ruhig und furchtlos. Bis auf einen Zwischenfall, bei dem Pe einem schlafenden Nürnberger Skin den Inhalt einer Dose Whiskas ins Maul geschmiert hatte, war von ihm niemals Gewalt ausgegangen. Seit dem Sommer 82 arbeitete er in einer Frankfurter Schlosserei und wohnte an der Humboldstr., einen Steinwurf von Stephan und Pia entfernt.
Im Frühjahr 83 hatten die B.O. einen auftritt im Juz Ampermoching.
Im Jugendhaus hatten sich einige 100 Menschen eingefunden. Punks, Skins, Rocker und eine große Abordnung der orientierungslosen Landjugend. Eine grausame Band stand auf der Bühne und versuchte das lethargische Publikum zu motivieren. "Mögts ihr koa Punk ?"
Das war für Kevins Nerven schon wieder zuviel. Er hatte sich die ganze Geschichte einige Minuten angesehen, dann war er losgegangen und hatte den Schlagzeuger von seinem Hocker getreten. Stephan und Gonzo stiegen gleich mit ein. Sie schoben den Rest der Band von der Bühne und legten sofort mit ihrem Set los.
"Willst du mal ne Nummer schieben, Mädchen komm zu mir, denn ich bin der Schönste, ich besorg es dir . .
Viele Zuschauer waren mit der bayerischen Punkband nach draußen geflüchtet, und Stephan musste während des Gigs hinaus gehen und die Meute wieder zurückholen. Er versicherte den Leuten, dass es zu keinen weiteren bösen Szenen kommen werde. Das lahme Volk war jetzt noch lahmer geworden, und das Konzert war kurz und unspektakulär. Nach der Show weigerte sich der Veranstalter den B.O. Geld zu zahlen.
Seit Beginn des Jahres war, war Matrose Röhr ein Teil der 33 Mann starken Mannschaft auf der "Bayern". Einmal im Monat konnte sich jeder Matrose einen Liter Fusel für 7,- DM kaufen. Selbstverständlich musste jeder "Neue" seine erste Flasche gleich an die "Altgefahrenen" abtreten. Zusätzlich war es ein beliebter Zeitvertreib, die Frischlinge abzufüllen, bis sie brechen mussten, oder ihnen wurden Besenstiele in den Arsch gesteckt, oder man quälte sie auf eine andere gemeine Art und Weise. Die Phantasie ging den Altgefahrenen nie aus. Ein Amateurboxer aus Wetzlar, einer der "Heizer", tat sich als besonders brutal hervor. Er kam gerne morgens in die Kajüten und riß die Klappbetten hoch, so das der schlafende Matrose zwischen das Bett und die Boardwand flog. Ein illegaler Spaß, den er auch bei Gonzo ausprobierte. Normalerweise kuschten die Frischlinge vor dem Gefreiten und erduldeten alle Demütigungen. Gonzo aber sprang sofort auf und schlug seinen überraschten Kameraden so schnell zusammen, dass der folgerichtig und gezwungenermaßen die Position des respektiertesten Matrosen an Gonzo abgab. Während einer anderen Auseinandersetzung, die Gonzo mit einem Unteroffizier hatte, war die Situation soweit eskaliert, dass er den Uffz in Unterhosen und Seestiefeln durch das ganze Schiff jagte und sich daraufhin beim Chef melden musste. Die Disziplinarmaßnahmen gegen den Matrosen Röhr häuften sich.

Sonntag, 3. Juli 2011

Die Geschichte Teil 10

1982/83
Im Frühling 82 lernte Kevin das krassere Fanpotential des HSV kennen. Hier war das Klima noch rauher als im Frankfurter Waldstadion. Im Block E der Hamburger Westkurve war von Gas-, Schreckschuss - und Leuchtpistolen die Rede. Der Funke der Fußballgewalt war von England auf Deutschland übergesprungen und die Hamburger Löwen standen auf der Liste der brutalsten Hooligans ganz oben. Beim Fußball lernte Kevin den 11 Jahre älteren Hamburger Skinhead Helmut W. kennen, der in der Szene als besonders hart galt. Härte war in diesen Tagen die wichtigste Trennungslinie zwischen den Jugendlichen. Entweder einer war hart drauf, dann war er etwas wert,oder er war ein "Mitläufer", dann konnte man getrost auf ihn verzichten. Für Kevin war es wichtig, hart zu erscheinen und mit den Härtesten zusammen zu sein. Härte gab ihm ein Gefühl von Wichtigkeit und Selbstwert, ohne das er nicht existieren konnte und hinter der er seine eigene Unsicherheit verbarg.
Wenn es darum ging, nach dem Spiel noch ein paar Ausländer aufzuklatschen, war Helmut W. gerne der Aufstachler und Reintreter. Bei Kevin stieß er offene Türen ein. Kevin war bei all seiner Härte extrem leicht zu beeinflussen. Man brauchte ihn nur mit zwei, drei Worten zu motivieren, dann lies er sich mitreisen, in welche Richtung auch immer.
An Board der MS Arnis lebte Kevin in seiner eigenen Kajüte und schuftete, wie man es von einem Matrosenlehrling erwartete. Er fand Gefallen an der Vorstellung, ein Seefahrer zu sein.

Ende Juni 82 kam Gonzo nach Hamburg. Sein Wehrdienst bei der Marine sollte am 1. Juli beginnen. Schon bei seiner Einstellung griffen sie Gonzo heraus und ließen ihn durch den MAD verhören. Man fragte ihn nach seinen Freunden und Bekannten, nach Kuchen, nach Helmut W. und Kevin Russell, die alle schon bei der Polizei als ausländerfeindliche Jugendliche registriert waren. Man lies ihn gleich wissen, dass man ihn im Auge behalten würde und dass er bloß keine krummen Dinger versuchen sollte.
Gonzo, der zu dieser Zeit eine harte Phase durchlebte und unangenehm aggressiv auftrat, hatte sich in Frankfurt gleich beide Unterarme tätowieren lassen.
Kevin hatte im Lauf der letzten Monate ebenfalls einige neue Tattoos dazu bekommen und Gonzo war nun zu "Alf  Diamond" in Frankfurt - Rödelheim gelaufen und mit einem blutig glitzernden "Böhse Onkelz - Kill The Hippies" - Tattoo wieder heraus gekommen. Ein derartiger Beweis an Bandloyalität versetzte sogar Stephan und Pe in respektvolle Bewunderung.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Die Geschichte Teil 6 - Gonzo schließt sich den B.O. an

Im Januar 81 bekam Stephan ein neues Schlagzeug von einer Nachbarin.
Stephan, Kevin und Pe fuhren zum ersten Mal nach Frankfurt um den Punk zu suchen, was sie von da an jedes Wochenende taten.
In einer Kneipe trafen sie endlich auf die Frankfurter "Punkszene". Hofi war der erste, der sich den Jungs gegenüber öffnete. Er machte auf sie einen freundlichen Eindruck. Musik war ein Thema über das sie sofort stundenlang reden konnten. Über Hofi und die anderen Punks bekamen die B.O. Wind vom Juz (Jugendzentrum). Hier konnte jeder mit seiner Band auftreten.
Am Freitag, den 20. Februar 1981, spielten die B.O. zum ersten Mal im Juz Bockenheim. Im Frühjahr 81 waren sie noch die große Lachnummer in der Frankfurter Punkszene. Man musste sich aber schon nach kurzer Zeit eingestehen, dass diese 3 Jungs ein ätzend punkiges Verhalten an den Tag legen konnten.

Gonzo war Punkrocker und brauchte Anschluss. Im Januar 81 machte er sich mit einem Kollegen auf die Suche. Am Frankfurter Hauptbahnhof trafen sie auf den Punk in Form von 3 finster dreinblickenden Jugendlichen. Stephan, Kevin und Pe standen an der Haltestelle.Das Eis war schnell gebrochen. Schon in der Straßenbahn erzählten sie Gonzo von ihrer Band.
Für Freitag, den 8. Maiwar ein neuer Konzertabend im Juz angekündigt. Die B.O. hörten Gonzo bei den Proben mit seiner Band "Antikörper" und waren beeindruckt. Gonzo war ein richtiger Musiker, Ein Künstler, ein Virtuose. Stephan, Kevin und Pe entschlossen sich diesen Mann abzuwerben. Schon im Februar hatten sie eine Anspielung gemacht, auf die Gonzo aber nicht einging. Als sie ihn diesmal fragten, ob er bei den B.O. einsteigen wolle, sagte er zu. Er übernahm den Bass, während Kevin sang, Stephan die Gitarre spielte und Pe auf das Schlagzeug einprügelte. Am 8. Mai spielten sie neben den Songs "Harakiri" und "Türkähn raus", einen neuen Song, der "Hippies" hieß und der einen richtigen Text hatte.

Hippies
Lange Haare, Diskussionen
Haschisch rauchen, Depressionen
Hippies, Hippies, Hippies
ich kann euch nicht verstehn

Atomkraft - badge, patchouli duft
Genesis hör`n in der Matratzengruft
Hippies, Hippies, Hippies
ich kann euch nicht mehr sehn

Hippies, Hippies, Hippies
ich hass euch wie die Pest
Hippies, Hippies, Hippies
wir geben euch den Rest

Räucherstäbchen konsumieren
und für Frieden demonstrieren
Hippies, Hippies, Hippies
ich kann euch nicht verstehn

Hippies, Hippies, Hippies
ich will euch mal was sagen
ihr seid nur ein Haufen Scheiß
ich kann euch nicht ertragen

Zu viert konnten sie ganz anders auftreten. Mit einem Male fühlten sie sich wie eine richtige Band.

Montag, 13. Juni 2011

Die Geschichte Teil 5 - Kindheit von Gonzo

Matthias Röhr war der älteste von 4 Brüdern. er wurde am 16. April 1962 in Frankfurt geboren. Seinen Vater, der einen Lebensmittelladen und einen Kiosk hatte, sah er selten. Matthias war schmächtig und hatte ein gespanntes Verhältnis zu allen Klassenstärksten. Er verweigerte sich früh dem kirchlichen System. Er war ziemlich angekotzt von den katholischen Pfarrern und ihrer Einmischung in sein Leben. Mit 11 glaubte er daran, dass er im Namen der Musik unterwegs sei. Seine Mutter kaufte ihm eine Wanderklampfe. Ein 6seitiger billiger Sperrholzkörper, der sich schon verstimmte, wenn jemand im Zimmer hustete. Der Vater, der sich auskannte, ahnte bereits, mit was es enden würde. Mit einem langhaarigen, haschrauchenden, diskutierenden, faulenzenden, rebellierenden Sohn, dem ältesten von Vieren, der stets aufgelegt zu einem zünftigen Disput sein und der Bier saufen und sich daneben benehmen würde. Er konnte sich den Ärger bildlich vorstellen. Söhne, die Gitarre lernen oder Tänzer werden wollten, schwule Theaterfreaks und Töchter mit Tätowierungen, so etwas gab immer Probleme.
1974 zog die Familie nach Liederbach. Der Vater nahm zum Kiosk noch eine Wirtschaft hinzu, wo schließlich auch die Mutter ganztags arbeitete. Matthias war Nachmittags auf sich alleine gestellt. Mit 12 entschloss er sich Gitarre-Unterricht zu nehmen. Diesen brach er jedoch nach ein paar Wochen wieder ab. Er verkaufte seine Gitarre und erstand einen gebrauchten E-Bass. Ab 1975 übte er mit seinem Freund zu jeder erdenklichen Zeit im Keller.
Mehr als einmal kam es zu deftigen Auseinandersetzungen mit seinem Vater. Die Gitarre war da, die Haare waren schon verdächtig lang, der Krach war da und es fielen die ersten Widerworte. Wenn er jetzt auch noch Drogen nehmen würde, so würde es Herrn Röhr nicht wundern.
Herr Ullrich, ein Lehrer,manövrierte ihn in die Schulband, wo er Gitarre spielte und sang.
1975 war Matthias noch von Kiss schwer beeindruckt, aber ab 76 hielt er sich in Liederbacher und Kelkheimer Musikkreisen auf, von denen Kiss nur belächelt wurde. Nun musste er sich mit echter Rockmusik auseinandersetzen, wenn er dazu gehören wollte. er verkaufte seinen Bass, stieg auf E-Gitarre um und hing in Plattenläden - Hinterzimmern rum.
Aus Matthias wäre niemals "Gonzo" geworden, hätte er nicht fortwährend Ted Nugents "Double Life Gonzo" spazieren getragen. Auch Gonzo war von den Sex Pistols begeistert. 1978 stand er kurz vor der Mittleren Reife. In den Pausen trank er Bier und rauchte und er kam grundsätzlich zu spät zum Unterricht. Im Sommer 78 flog er von der Schule. Ihm war eine Lehre als Universalfräser sicher. 1980 trug Gonzo eine Lederjacke und Springerstiefel, und mit dem Umzug der Familie nach Frankfurt Bonames wurde er vom jugendlichen Landmetaller zur stets betrunkenen Stadtratte.